Eine qualitative Inhaltsanalyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der IBP und SGBAT
Zwei Körperpsychotherapieschulen im Vergleich: Machen theoretische Unterschiede auch in der Praxis einen Unterschied? Inwieweit sich schultheoretische Ansätze der Körperpsychotherapie in der Praxis widerspiegeln, bleibt offen. Diese Arbeit untersucht die Forschungsfrage: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen in den Psychotherapieverfahren der Integrativen Körperpsychotherapie (IBP) und der Schweizerischen Gesellschaft für Bioenergetische Analyse und Therapie (SGBAT) hinsichtlich therapeutischer Praxis? Durch bewusste Stichprobenziehung (Top-Down) wählten wir sechs IBP- und sieben SGBAT-Psychotherapeut:innen aus, die an je einer halbstrukturierten Expert:innendiskussion und einem Kolloquium teilnahmen. Anhand eines APA-Lehrvideos verglichen wir per Fragebogen und Gruppendiskussionen Interventionswahl, Ziele und Problemverständnis. Die Daten analysierten wir mittels qualitativer Inhaltsanalyse, dem PAP-S-Rating-Manual und den allgemeinen Wirkfaktoren. Wir fanden eine breite gemeinsame Basis therapeutischer Praxis. Überraschenderweise zeigte sich, dass nicht nur schulunspezifische Verfahren wie Psychoedukation und Therapieziele thematisieren, sondern auch schulspezifische wie Gegenübertragung, Energetische Grenzen und Selbsthilfetechniken in beiden Gruppen Anwendung finden. Beide Gruppen erachteten Therapiebeziehung, Achtsamkeit und Affektregulation als zentrale Wirkfaktoren und beschrieben den Klienten als in einer existenziellen Krise mit depressiver Symptomatik und Substanzmissbrauch. Unterschiede bestanden vor allem in Gewichtung, konzeptueller Rahmung und Terminologie. Diese Ergebnisse implizieren, dass sich psychotherapeutische Schulen in der praktischen Anwendung weniger unterscheiden, als ihre Theorie vermuten lässt. Für die Praxis legen die Befunde nahe, IBP und SGBAT als komplementäre Ansätze zu verstehen, deren Wahl eher von der Passung der Klientel als der theoretischen Ausrichtung abhängen könnte. Da die Befunde auf einem Fallbeispiel beruhen, sind sie nicht generalisierbar. Folgestudien könnten weitere körperpsychotherapeutische Institutionen und reale Therapiesettings (z.B. Supervisionsaufnahmen) einbeziehen, um die Wirkmechanismen der Körperpsychotherapie besser zu verstehen.
Bachelorarbeit von
Selina Kempf und Corina Dendorfer
Quellenangabe der Originalarbeit:
Dendorfer C, Kempf S (2026). Zwei Körperpsychotherapieschulen im Vergleich. Eine qualitative Inhaltsanalyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der IBP und SGBAT. Unveröffentlichtes Manuskript der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Departement für Psychologie.
Zusammenfassung publiziert mit freundlicher Genehmigung der ZHAW.